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Weg des Erinnerns

Station 6 - Schrägstollen

 

Als im April 1944 klar war, dass die Rüstungsindustrie im Deutschen Reich das Salzbergwerk in Kochendorf als unterirdische, vor Bombenangriffen geschützte Fabrik nutzen wird, entstand die Idee eines zweiten Zugangs zum Bergwerk. Er sollte gewährleisten, dass bei einer Zerstörung eines Schachtes durch Luftangriffe die unterirdische Rüstungsfabrik weiterhin zugänglich und somit funktionsfähig bleibt. Das Rüstungsministerium setzte gegen die Bedenken der Bergfachleute zusätzlich sogar den Bau eines dritten Schachtes an dieser Stelle durch. Er sollte nicht senkrecht, sondern mit einer Neigung zwischen 20 und 27 Prozent schräg in das Erdreich gegraben werden. Mit diesem Stollen sollte die Leistungsfähigkeit der unterirdischen Rüstungsfabrik erhöht werden. Materialein- und Rüstungswarenausfuhr sollten nicht per Förderkorb, sondern durch von Seilrollen gezogene Wagen befördert werden. Dabei dachte das Rüstungsministerium vor allem an die Heinkel-Turbinen, für deren Serienfertigung das Bergwerk in Kochendorf ursprünglich vorgesehen war.

Für den Bau des Schrägstollens veranschlagte das Reichswirtschaftsministerium im April 1944 neun Monate Bauzeit. Die Bauarbeiten begannen bereits rund zwei Monate später. Wenige Wochen darauf war der 32 Meter lange Vorstollen fertig gestellt. Er sollte später mit einem Bunker mit einer 3,6 Meter starken Decke geschützt werden. Im Anschluss begannen die technisch schwierigen Vertiefungsarbeiten.

Zu Beginn arbeiteten zwischen 200 und 300 Männer im und am Stollen. Dabei handelte es sich um belgische und sowjetische Fremdarbeiter sowie um deutsche Zivilarbeiter. Im Oktober 1944 kamen Häftlinge des KZ Kochendorf dazu. Die Häftlinge wurden für die schweren Hilfsarbeiten eingesetzt; sie mussten Steine und Geröll aus dem Tunnel schleppen. Die SS vermietete die KZ-Hilfsarbeiter für 4 Reichsmark pro Mann und Tag an die Unternehmen (Häftlingsfacharbeiter kosteten 6 Reichsmark am Tag).

Die Baustelle am Schrägstollen zählte zu den gefährlichsten Arbeitskommandos des KZ Kochendorf. Die Arbeit war nicht nur schwer, den Häftlingen drohten auch ständig Knüppelschläge der Kapos, die die Arbeit beaufsichtigten; zudem waren die Sklavenarbeiter in ihrer dünnen Sträflingskleidung der kalten Witterung im Herbst und Winter fast schutzlos ausgesetzt. Die Arbeit am Schrägstollen trug somit dazu bei, dass das KZ Kochendorf zu einem Lager der „Vernichtung durch Arbeit“ wurde: Viele der unterernährten und misshandelten Häftlinge hielten die schwere Arbeit nicht lange durch. Wie viele Menschenleben der Bau des Schrägstollens forderte, ist nicht bekannt. Die Zahlen in anderen KZ zeigen aber, dass die Todesrate auf Baukommandos fünf bis zehn Mal so hoch war wie die Sterblichkeit beim Fabrikeinsatz.

Ende März 1945 wurde die Baustelle wegen der heranrückenden US-Armee aufgegeben. Der Schrägstollen war bis dahin etwa zu einem knappen Drittel – rund 150 Meter – gegraben und ausgebaut. Die für den Bau verantwortliche Organisation Todt hatte zuletzt vergeblich versucht, den Vortrieb durch den Einsatz von mehr Arbeitskräften zu erhöhen. Der Schrägstollen ist heute verplombt und mit Grundwasser vollgelaufen.

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